Start in den Frühling am Machu Picchu

Nach zwei Reisetagen bin ich endlich in Cousco“Der Nabel der Welt“ angekommen und werde dort von einem strahlend blauen Himmel willkommen geheissen. Ich steige aus dem Flieger, spüre einen leichten Druck auf dem Kopf und auch mein Herz klopft wesentlich schneller auf einer Höhe von ca. 3400 m. Und doch fühlt sich Cousco gleich sehr vertraut an.

Zum einen spüre ich das Bedürfnis, meinen physischen Körper an die Höhe zu gewöhnen und verbringe auch eine Woche dort, um meine Spanischkenntnisse ein wenig aufzufrischen. Zum anderen nutze ich die Gelegenheit, diesen Ort „die vermeintliche Stadt der Inkas“ zu erkunden und energetische Plätze aufzusuchen. In Cousco und Umgebung sind zahlreiche interessante Inkaruinen zu finden, z.B. Saqsaywaman, Pisaq oder Qénqo (Mondtempel) und Temple el Sol (Sonnentempel). Ich habe als Vorbereitung für den viertägigen Pilgerweg nach Maccu Picchu einige Inkaruinen besucht.


Bei einem „Sonntagsausflug“ nach Pisaq haben mich dort die imposanten Inkaruinen sehr beeindruckt. Es gibt einen wunderschönen Weg, der von diesem Dorf hinauf bis zu den Ruinen führt. Ich laufe den steilen Weg sehr langsam, um all die Naturschönheiten in mich aufzunehmen, vorbei an einem Wasserfall, stufenförmigen Terassen, den Überresten der Inkahäuser hinauf bis zu den verschiedenen Tempeln. Ich lausche einem einheimischen Führer, der mir viel über das Leben der Inkas, die Überreste der einzelnen Tempel und von den fast unglaublichen astronomischen Kenntissen dieses Volkes erzählt. Oben angekommen setze ich mich erst einmal auf einen Felsen, geniesse die wunderbare Aussicht, spüre die kraftvolle Energie dieses zauberhaften Ortes und meditiere.

Ich bin ganz im Hier und Jetzt, nur der Himmel verändert sich langsam und die Wolken ziehen sich zusammen. Das Wetter ist hier in Peru sehr wechselhaft, die Natur von satten, kräftigen Farben und die Menschen sehr aufgeschlossen, freundlich und zuvorkommend. Selbst die fliegenden Händler bieten ihre Ware unaufdringlich an und aktzeptieren auch eine Ablehnung ihrer Ware.

Ganz entspannt und erfüllt von der karftvollen Energie dieser beeindruckenden Ruinen, geht es dann wieder hinunter auf den grossen, bunten Sonntagsmarkt, um sich dort mit landestypischen leckeren Enchiladas zu stärken.

Doch der Höhepunkt meiner Reise ist der viertägigen 48 km lange Inkatrail zum Machu Picchu. Für jeden Teilnehmer unserer kleine Reisegruppe scheint diese Tour eine Herausforderung zu sein. Wir laufen täglich zwischen fünf und neun Stunden über hohe Pässe und einer davon liegt auf einer Höhe von 4200 m. Zwei englischsprachige Führer begleiten uns auf dem Pilgerweg und zahlreiche Träger nehmen einen Teil unseres persönlichen Gepäckes ab, sind für Auf-und Abbau der Zelte und unser leibliches Wohl verantwortlich. Ich bin so dankbar für all unsere Helfer, die geschwind mit ihren Badeschlappen und teilweise über 30 kg Gepäck an uns vorbeiziehen. Erstaunlicherweise haben sie dann immer noch ein Lächeln auf den Lippen. Meistens sind sie schon fleissig am kochen, wenn wir endlich unser Ziel erreichen.


Doch nun zurück zum ersten Tag des Inkatrails. Nachdem wir von Cousco durch das heilige Tal gefahren sind, beginnen wir unseren Pilgerpfad bei einer Brücke. Ich fange an, die Ausdehnung meiner Körper zu spüren und eine Welle des Glücks durchflutet mich. Ich laufe erst einmal alleine am Ende der Gruppe, um mich auf diese Energie völlig einlassen zu können. Als sehr angenehm empfinde ich diesen Pfad in flachem Gelände. Unsere Füsse tragen uns vorbei an Pferden, Schafen, Lamas, einer abwechslungsreichen Pflanzenwelt und wir geniessen die Aussicht auf das Tal und die vielen Ruinen. Juan, unser Führer, erzählt uns viele Geschichten über das Leben der Inkas und all die Funde in diesem Tal. Das Bild der Natur ändert sich ständig. Ich kann Gesichter in den Naturfelsen erkennen und wünsche mir diese Energie und Liebe tief in mein Herz aufnehmen zu können und für immer festzuhalten. Das Mittagessen wird von unserem Koch und seinen Helfern mit viel Freude zubereitet und wir werden jeden Tag mit einer leckeren Suppe und anderen Köstlichkeiten dieses Landes verwöhnt. Der Cocatee hilft über die Symptome der Höhenkrankheit hinweg.


Gegen Abend kommen wir im ersten Camp an, mit einem wunderbaren Blick auf den Berg Veronika. Ich fühle die Verbindung zwischen diesem Berg und dem Mount Shasta und bin in diesem Moment ganz zu Hause. Der nächste Tag erweist sich als sehr anstrengend, wir haben einen Aufstieg von 1200 m vor uns auf 4200 m. Eine Herausforderung für jeden Einzelnen von uns, mit dieser Höhe und den ständig ändernden Wetterbedingungen zurechtzukommen. Auf dem Pass wird jeder von uns von Juan mit Handschlag bergrüsst und das Gruppengefühl gestärkt. Doch unser Lager liegt 400 m unter uns und ein steiler Abstieg beginnt. In dieser Vollmondnacht regnet es in Strömen und wir kommen in ganz unterschiedliche Prozesse wie Magenprobleme, Rückenschmerzen oder auch Schlafmangel. Eine innere sowie auch äussere Reinigung kommt in Gang um uns auf die nächsten Tage vorzubereiten. Am 21.3. ist nämlich Frühjahrsanfang und somit auch eine Zeit des Neubeginnes.

Doch am dritten Tage laufen wir erst einmal weiter mit unseren vielfarbigen Ponchos, vorbei an Ruinen, kleinen Seen und der Himmel scheint sich gar nicht mehr beruhigen zu wollen. Wir nehmen den Regen so an und wir können nur erahnen, an welchen Naturschönheiten wir vorbeilaufen. Am Abend gibt es dann das erste Bier und eine warme Dusche. Wir fühlen uns wohl und angekommen.

Am letzten Tag werden wir immer noch bei strömendem Regen sehr früh geweckt und ziehen im Dunkeln mit unseren Ponchos Richtung Maccu Picchu. Ein energetischer Eingang zu diesem „Weltwunder“ ist für mich das Südtor, bei dem ich eine sehr herzöffnende Energie wahrnehme. Die Ruinen von Macchu Piccu sind viel größer und beeindruckender als ich sie mir vorgestellt habe. Nachdem dich die Wolken langsam verziehen, liegen uns die Ruinen in ihrer Pracht förmlich zu Füssen und ich werde auch von den faszinierenden umliegenden Bergen in meinen Bann gezogen.

Vor 100 Jahren ist dieser kraftvolle Ort entdeckt worden und wird täglich von tausenden Touristen besucht. Und trotz allem habe ich dort einen kraftvollen Platz gefunden, an dem ich ungestört meditieren kann und die wunderbare Energie dieses Kraftortes in all meinen Zellen verankern kann. Was für ein Geschenk für den Frühlingsanfang, ein Tag des Neubeginns und eine wunderbare Gelegenheit, Wünsche und Ziele an diesem Kraftort zu verankern.